Die Führung des Deutschen Kaiserreichs war sich der Bedeutung einer gesicherten Lebensmittelversorgung für die Kriegsmoral durchaus bewusst – bereits 1914 machte der Satz „Ohne Brot kein Sieg“ die Runde. Spätestens mit dem Scheitern des Schlieffen-Plans im September 1914 und der Gewissheit, dass der Krieg länger dauern würde, entschieden sich die staatlichen Behörden für ein aktives Eingreifen in die Versorgungslage.
Bereits im Oktober 1914 wurden staatlich festgelegte Höchstpreise für Grundnahrungsmittel eingeführt. Für die Menschen vor Ort hatte dies spürbare Folgen: Da fast alle Velener und Ramsdorfer in irgendeiner Form mit der Landwirtschaft verbunden waren, bedeutete diese Maßnahme einen direkten Eingriff in ihre Lebens- und Arbeitswelt. Neben finanziellen Einbußen durch die staatliche Regulierung des Verkaufs von Ernteerzeugnissen verschärfte sich die Lage zusätzlich durch den Einzug vieler Bauern in den Kriegsdienst. Der daraus resultierende Mangel an Arbeitskräften musste notdürftig ausgeglichen werden – durch Frauen und Kinder und, wie im Fall von Ramsdorf-Ostendorf, sogar durch russische Kriegsgefangene.
Das hier abgebildete Dokument zeigt die lokale Umsetzung der Anordnung des Bundesrats vom 25. Januar 1915. Sie diente der Überwachung des Getreide- und Mehlvorkommens. In der Folge wurden verpflichtende Abgabemengen festgelegt und die Ausgabe dieser lebenswichtigen Rohstoffe streng rationiert – auch im Altkreis Borken.
Trotz aller Maßnahmen kam es im Verlauf des Erster Weltkrieg zu massiven Engpässen in der Bevölkerungsversorgung. Die Folgen waren dramatisch: Rund 750.000 Menschen starben in Deutschland während des Krieges an Unterernährung und an deren gesundheitlichen Konsequenzen. Das Fundstück erinnert eindrücklich daran, wie eng globale Ereignisse und lokale Lebensrealitäten miteinander verwoben waren.
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