Fundstück Nr. 3 - "80 Jahre Kriegsende in Velen und Ramsdorf"


Am 23. März 1945 überquerten britische und kanadische Truppen den Rhein. Wenige Tage später, am 27. März, begann die Befreiung des Westmünsterlandes vom nationalsozialistischen Regime. Der militärische Widerstand, zu dem auch Volkssturmeinheiten aus Ramsdorf und Velen gehörten, konnte dem alliierten Vormarsch kaum etwas entgegensetzen. Die alliierten Truppen rückten schnell auf die Ortschaften der Region vor.

Viele Orte waren zu diesem Zeitpunkt durch Panzersperren gesichert. Öffentliche Gebäude wurden zu Lazaretten umfunktioniert, um verwundete Soldaten zu versorgen. Die Verluste waren hoch – teilweise mussten sogar Massengräber angelegt werden.

Am 28. März 1945 übernahmen die Alliierten die Kontrolle über Borken und Heiden. Auch die Orte Velen und Ramsdorf standen kurz darauf im Fokus der militärischen Entwicklungen.

Akte c/235 - 2

In Ramsdorf hatten sich die lokalen Entscheidungsträger zunächst darauf verständigt, den Ort kampflos zu übergeben, weshalb die Panzersperren nicht aktiviert wurden. Diese Entscheidung wurde jedoch nicht von allen akzeptiert. Am 29. März 1945 kam es daher noch zu Kampfhandlungen. Dabei verloren sowohl Ramsdorfer als auch britische Soldaten ihr Leben, zudem wurden zahlreiche Häuser zerstört. Der Widerstand brach jedoch schnell zusammen.

In Velen waren zwar Panzerabwehrstellungen vorbereitet worden, doch es kam nicht mehr zu militärischen Auseinandersetzungen. Die letzten Wehrmachtseinheiten hatten sich bereits zuvor zurückgezogen, während einige Parteiaktivisten Suizid begingen.

Mit Ostern 1945 endete der Krieg für die Menschen in Velen und Ramsdorf. Dreizehn Jahre nach den ersten Aktivitäten der NSDAP in Velen und zwölf Jahre nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Deutschen Reich war deren Herrschaft beendet. Das Regime hatte auch in der Region Zerstörung, Terror und Tod hinterlassen.

Nach Kriegsende begann unter alliierter Aufsicht die Entnazifizierung Deutschlands. Dokumente aus dem Stadtarchiv zeigen, dass dieser Prozess häufig komplex, widersprüchlich und für viele Menschen schwer nachvollziehbar war.

Das Stadtarchiv Velen erinnert mit historischen Quellen und Dokumenten an diese Zeit und lädt dazu ein, sich mit der lokalen Geschichte und ihren Auswirkungen bis in die Gegenwart auseinanderzusetzen.

Quelle:
Fasse: Das Amt Velen-Ramsdorf 1918–1945