Borgadellenpumpe

Trinkwasserversorgung bis 1957 und „Borgadeller Nachrichtendienst“

Überliefert aus "Ramsdorf und seine Heimatgeschichte" von Josef Schulze Selting, 1944; Herausgegeben von der Gemeinde Ramsdorf, 1969:

"Hier muß noch kurz einer sozialen Einrichtung, der Nachbarschaften, der 'Hööke', gedacht werden. Hüpohl, Richtershook, Murrijon, Pastroatenhook, Härenhook und Borgadelle halten noch genau so zusammen, wie vor Hunderten von Jahren; in den Siedlungsgebieten um den geschlossenen Ort sind neue dazu gekommen; auch in der Bauerschaft sind Nachbarschaften noch lebendig. Hilfeleistung bei Geburt, Heirat, Tod und Hausbau verlangen auch fröhliches Beisammensein, das besonders zu Fastnacht geflegt wird; aber auch beim Bogensetzen, Fangen und Richten wird gefeiert. Richter und Schenker sorgen für die Verwaltung und Ordnung, während Bote und Vorbeter ihren Aufgaben nachkommen müssen. 

Innerhalb der Stadt waren früher die Hööke auch Pumpengemeinschaften. Bis zur Anlage der zentralen Wasserversorgung im Jahre 1957 standen noch 6 Pumpen. Sie waren für die Frauen das, was für die Männer die Theke ist. Der Erzähler hat vielleicht ein wenig gelästert, wenn er noch 1954 schreiben konnte: 'Es war ein ständiges Kommen und Gehen an den Ramsdorfer Pumpen. Kaum hat Lisbeth ihren Eimer gefüllt, da erscheint Katrin mit ihrer Kanne. Und während sie noch ein bißchenplaudern, greift Sette schon nach dem Schwengel. Dann 'proat se' so lange, bis irgendwoher eine Stimme dröhnt: 'Ick sall U wall ne Stohl bräggen müdden, watt?' Oder es riecht aus einem der Fenster nach Angebranntem. Husch! Husch! stiebt die Gesellschaft auseinander, aber ein paar Minuten später ist eine neue da. Böse Männerzungen sollen mal behauptet haben, manche Mädchen holten sich immer nur den bedarf für eine Stunde."