Fundstück Nr. 7 - "Als das Ramsdorfer Schützenfest nach zehn Jahren Pause zurückkehrte"


Die Ursprünge des Schützenwesens in Westfalen reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück. Schützenbruderschaften dienten damals dem Schutz von Städten und Dörfern sowie der gegenseitigen Unterstützung in Notzeiten. Nachdem ihre militärische Bedeutung mit der Entstehung stehender Heere zurückging, entwickelten sie sich zu bürgerlichen Gemeinschaften, die das gesellschaftliche Leben durch Schützenfeste und Vogelschießen prägten. Bereits 1571 erlaubte eine Verordnung des Münsteraner Fürstbischofs offiziell das Vogelschießen und dokumentierte damit einen Brauch, der in nahezu jeder Bauerschaft verbreitet war.

Akte c/235 - 2

Der St. Walburgis-Schützenverein Ramsdorf-Stadt e.V. wurde zwar erst 1926 gegründet, seine Geschichte reicht jedoch wesentlich weiter zurück. Eine Königskette aus dem Jahr 1802 nennt bereits einen Schützenkönig des Jahres 1618 und belegt damit die jahrhundertealte Tradition des Ramsdorfer Schützenwesens. Bereits vor der Vereinsgründung wurden gemeinsam mit den Junggesellenschützen und dem Kriegerverein Bürgerschützenfeste gefeiert. Seit spätestens 1894 sind mit den Aufzeichnungen von Leser Landau zudem die Könige und Königspaare der Neuzeit überliefert.

Wie viele Vereine blieb auch der Schützenverein von den politischen Entwicklungen der 1930er-Jahre nicht verschont. 1933 wurde er durch die Nationalsozialisten gleichgeschaltet. Seit 1936 fand das Schützenfest regelmäßig am zweiten Juliwochenende statt.

Das letzte Fest vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde im Juli 1939 gefeiert. Trotz schlechten Wetters errang Ernst Lohmann um 12.15 Uhr die Königswürde und wählte Paula Schmäing zu seiner Königin. Anschließend zog das Königspaar gemeinsam mit zahlreichen Schützen durch die festlich geschmückten Straßen Ramsdorfs.


Dekan Johannes Hentschel an der Vogelstange (Schützenfest 1949)

Mit Beginn des Krieges ruhte das Vereinsleben. Erst zehn Jahre später konnte die Tradition wieder aufgenommen werden. Das im Stadtarchiv erhaltene Schriftstück dokumentiert die Wiederaufnahme des Schützenfestes im Jahr 1949. Stephan Selting und Bernhardine Funke wurden zum neuen Königspaar gekürt. Auch wirtschaftlich verlief das Fest erfolgreich: Der Verein erzielte einen Überschuss von mehr als 1.000 DM und beschloss, 100 DM an die Kirche zu spenden.

Mit diesem Fundstück zeigt das Stadtarchiv Velen, wie eng die Geschichte des Schützenwesens mit der Ortsgeschichte verbunden ist. Das Dokument steht zugleich für den Neubeginn des gesellschaftlichen Lebens nach den Entbehrungen des Zweiten Weltkriegs.



Quellen:

  • Borkener Zeitung vom 18.07.1936
  • Vereinschronik des St. Walburgis-Schützenvereins Ramsdorf-Stadt e.V.
  • Festschrift „375 Jahre St. Walburgis-Schützenverein Ramsdorf-Stadt e.V.“





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