FundstückFreitag #10: Als die Eisenbahn nach Velen und Ramsdorf kam


Als Reisen noch eine Herausforderung war

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Torben Peinemann

Wer heute durch Velen und Ramsdorf fährt, kann sich kaum vorstellen, wie beschwerlich das Reisen hier noch im 19. Jahrhundert war. Die Straßen befanden sich teilweise in einem derart schlechten Zustand, dass selbst hochrangige Reisende nicht vor Unfällen verschont blieben. So verunglückte der englische Lord Castlereagh während einer Fahrt durch Ramsdorf mit seinem Wagen.

Auch der preußische Oberpräsident von Studt und der Landrat kritisierten öffentlich die schlechten Straßenverhältnisse. Verbesserungen ließen jedoch lange auf sich warten. Erst 1853 wurde das Teilstück der Kreischaussee zwischen Borken und Ramsdorf fertiggestellt. Ab 1861 bestand schließlich eine durchgehende Straßenverbindung bis nach Emmerich und Münster.

Die Eisenbahn? Zunächst kein Thema! Während in Deutschland bereits 1835 die erste Eisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth ihren Betrieb aufgenommen hatte, begegnete man dem neuen Verkehrsmittel im Westmünsterland zunächst mit Zurückhaltung.

Postkarte aus Ramsdorf, o.D. Zeichnungen des Empfangsgebäudes des Ramsdorfer Bahnhofs, 1903 - 1
Torben Peinemann

Im März 1875 erkundigte sich das Landratsamt Borken beim Velener Amtmann Roters, ob Interesse an sogenannten „Eisenbahnprojecten“ bestehe. Eine Antwort blieb offenbar aus. Erst Jahre später finden sich weitere Vermerke in den Akten.

Anders sah es bei der heimischen Wirtschaft aus. Besonders für die Unternehmen der Region war eine Eisenbahnverbindung von großer Bedeutung. Die Webereien Lühl und Ellinghaus beispielsweise mussten ihre Waren bis dahin mühsam über die Straßen transportieren.

Bereits 1884 betonte die Handelskammer Münster, dass eine Eisenbahnverbindung von Münster über Coesfeld und Bocholt bis nach Emmerich seit rund 30 Jahren ein sehnlicher Wunsch der Bevölkerung sei.

Jahrzehntelange Planungen bis zum Durchbruch

1886 setzte der Borkener Kreistag eine Kommission ein, um den Bau einer Eisenbahnstrecke von Coesfeld über Borken nach Bocholt vorzubereiten. Dabei wurde untersucht, welche Unternehmen und Fabriken von einem Bahnanschluss profitieren könnten.

Auch für die zahlreichen Pendler versprach die Eisenbahn erhebliche Vorteile. In den folgenden Jahrzehnten fuhren beispielsweise rund 70 Bergleute regelmäßig nach Hervest-Dorsten zur Arbeit.

Die Planungen gestalteten sich allerdings schwierig. Zwischen den Kreisen Borken und Coesfeld wurde immer wieder über mögliche Streckenführungen und die Einbindung von Velen und Ramsdorf verhandelt. Im Jahr 1898 sagte schließlich auch das Haus Landsberg-Velen finanzielle Unterstützung für das Vorhaben zu.1904: Die Eisenbahn kommt in die Region

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Torben Peinemann


Nach jahrelangen Verhandlungen war es endlich so weit: Am 1. Oktober 1904 wurde die Bahnstrecke zwischen Coesfeld und Borken eröffnet.

Postkarte aus Ramsdorf, o.D. Zeichnungen des Empfangsgebäudes des Ramsdorfer Bahnhofs, 1903 - 1
Torben Peinemann

Im Vorfeld waren Empfangsgebäude errichtet und Zufahrtsstraßen zu den Bahnhöfen ausgebaut worden. Die neue Verbindung bedeutete einen wichtigen Fortschritt für die wirtschaftliche Entwicklung der Region.

1908 trieben die preußischen Behörden den weiteren Ausbau des Eisenbahnnetzes im Münsterland voran. Die Strecke von Rees-Empel nach Münster schuf eine wichtige Ost-West-Verbindung, die sowohl für den Personenverkehr als auch für den Gütertransport genutzt wurde.

Eine besondere Rolle spielte dabei der Transport der Baumberger Sandsteine. In Velen entstand zudem eine Nebenstrecke in das Hochmoor, über die die dortige Torffabrik an den Güterverkehr angebunden wurde.

Auch das Fuhrunternehmen Hentschel gewann als Bahnspediteur an Bedeutung und übernahm den Weitertransport von Waren bis ins Ruhrgebiet.

Das Ende einer Ära

Postkarte aus Ramsdorf, o.D. Zeichnungen des Empfangsgebäudes des Ramsdorfer Bahnhofs, 1903 - 1
Torben Peinemann

Über Jahrzehnte hinweg war die Eisenbahn ein wichtiger Bestandteil des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens in Velen und Ramsdorf. Doch mit der zunehmenden Bedeutung des Straßenverkehrs verlor die Schiene nach und nach an Bedeutung.

1974 wurde der Personenverkehr eingestellt. Zehn Jahre später, 1984, folgte das endgültige Aus für den Güterverkehr. Im selben Jahr wurde auch das Empfangsgebäude des Ramsdorfer Bahnhofs abgerissen.

Damit endete ein bedeutendes Kapitel der örtlichen Verkehrsgeschichte.

Erinnerungen gesucht!

Wer kann sich noch an den Eisenbahnverkehr in Velen und Ramsdorf erinnern? Vielleicht gibt es noch alte Fotografien, Fahrkarten oder persönliche Geschichten rund um die damaligen Bahnhöfe.

Wir freuen uns über Erinnerungen und historische Fundstücke aus der Bevölkerung!


Quelle: Josef Barnekamp, Maria Kuhlbusch: Velen und Ramsdorf 1803–1918. Geschichte(n) eines langen Jahrhunderts, Reihe „Zwischen Schloß und Burg“.