Fachkräfte kann man suchen. Oder man kann sie formen.


Was haben ein Fußballplatz und die Arbeitswelt gemeinsam? Mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Beim diesjährigen Unternehmerforum der Stadt Velen am Montag, 12. Oktober 2026, kamen knapp 70 Unternehmerinnen und Unternehmer im Châteauform – Schloss Velen zusammen, um sich auszutauschen, neue Impulse mitzunehmen und Kontakte zu knüpfen. Unter dem Titel „Fachkräfte kann man suchen. Oder man kann sie formen.“ zeigten Benno Blömen und Dr.-Ing. Markus Niehaus, welche wichtige Rolle Vereine und ehrenamtliches Engagement für die Fachkräfteentwicklung von morgen spielen können.

Bürgermeister Markus Hund begrüßte die Gäste und betonte die Bedeutung des persönlichen Austauschs innerhalb der lokalen Wirtschaft. Das von der Wirtschaftsförderung der Stadt Velen organisierte Unternehmerforum hat sich über die vergangenen Jahre zu einem festen Bestandteil des Austauschs mit der örtlichen Unternehmerschaft entwickelt.

„Mit unserem Unternehmerforum möchten wir nicht nur aktuelle Herausforderungen der Wirtschaft aufgreifen, sondern auch neue Denkanstöße geben und Menschen miteinander vernetzen. Gerade die Verbindung zwischen Wirtschaft und Ehrenamt zeigt, welches Potenzial in unserer Stadt steckt und wie wichtig es ist, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen“, erklärt Wirtschaftsförderin Natalie Jakubik.

Der Sportplatz als Trainingsfeld für die Arbeitswelt

Mit Benno Blömen, Geschäftsführer der BLÖMEN VuS GmbH in Gescher und Hauptvorstand des TuS Velen, sowie Dr.-Ing. Markus Niehaus, Unternehmer, KI-Forscher an der Westfälischen Hochschule und Jugendvorstand des TuS Velen, standen zwei Referenten auf der Bühne, die Unternehmertum, Wissenschaft und Vereinsarbeit aus eigener Erfahrung miteinander verbinden.

Anhand anschaulicher Beispiele aus dem Jugendfußball verdeutlichten sie, dass auf dem Sportplatz weit mehr vermittelt wird als sportliche Fähigkeiten. Teamfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Anpassungsfähigkeit, Durchhaltevermögen und der Umgang mit Rückschlägen gehören zu den Kompetenzen, die junge Menschen dort frühzeitig entwickeln und die später auch im Berufsleben entscheidend sind.

Besonders eindrucksvoll war die Geschichte eines jungen Torwarts, der bewusst ermutigt wird, sein Tor zu verlassen, das Spiel aktiv mitzugestalten und dabei auch Fehler zu riskieren. Dahinter steckt eine klare Haltung: Wer Verantwortung übernehmen und eigene Entscheidungen treffen soll, braucht Vertrauen und die Möglichkeit, aus Fehlern zu lernen.

Ein weiteres Beispiel lieferte die Geschichte zweier Jugendspieler, die nach verschossenen Elfmetern zunächst enttäuscht waren, beim nächsten Elfmeterschießen aber erneut Verantwortung übernahmen. Die Botschaft dahinter: Rückschläge gehören zur persönlichen Entwicklung dazu. Entscheidend ist, wie junge Menschen dabei begleitet und ermutigt werden.

Ehrenamtliche leisten wertvolle Persönlichkeitsentwicklung

Allein im Fußballbereich des TuS Velen sind mehr als 300 Kinder und Jugendliche aktiv. Eine wichtige Grundlage der Jugendarbeit bildet die Initiative „TuS 20.25“, in deren Rahmen rund 20 Ehrenamtliche gemeinsam eine Jugendphilosophie entwickelt haben. Zu ihren zentralen Werten zählen Zuverlässigkeit, soziales Verhalten und gegenseitiger Respekt.

Besondere Aufmerksamkeit widmeten die Referenten dabei den ehrenamtlichen Trainerinnen und Trainern. Sie begleiten junge Menschen über viele Jahre, motivieren, fördern, vermitteln zwischen unterschiedlichen Persönlichkeiten und übernehmen damit Führungsaufgaben, die auch in Unternehmen von großer Bedeutung sind.

Die Referenten machten zugleich deutlich, dass diese Leistung keineswegs auf den Sport beschränkt ist. Auch Feuerwehr, Musik- und Kulturvereine, Schützenvereine und soziale Initiativen schaffen wichtige Räume, in denen junge Menschen Gemeinschaft erleben, Verantwortung übernehmen und ihre Persönlichkeit entwickeln können.

Unternehmen und Vereine stärker miteinander verbinden

Ein zentrales Anliegen des Vortrags war es, die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Vereinen neu zu denken. Denn Unterstützung müsse nicht zwangsläufig mit einem klassischen Sponsoringvertrag beginnen.

Bereits kleine Maßnahmen könnten einen wertvollen Beitrag leisten: Betriebsbesichtigungen für Jugendliche, Einblicke in unterschiedliche Berufsfelder, Praktikumsangebote oder die Unterstützung von Trainerfortbildungen. Auch die Möglichkeit, dass Auszubildende selbst als Co-Trainer Verantwortung übernehmen, könne für beide Seiten gewinnbringend sein.

Dabei ging es den Referenten insbesondere um einen Perspektivwechsel: Vereine sind nicht ausschließlich Empfänger finanzieller Unterstützung, sondern wichtige Partner bei der Entwicklung der nächsten Generation. Schließlich sind die Kinder und Jugendlichen, die heute im Verein aktiv sind, möglicherweise schon in wenigen Jahren die Auszubildenden und Fachkräfte der örtlichen Unternehmen.

Internationale Begegnungen und weitere Vernetzung

Zum Abschluss stellten die Referenten außerdem ein besonderes Vorhaben des TuS Velen vor: Vom 14. bis 26. Juli 2027 ist eine Reise der U19-Mannschaft nach Namibia geplant. Neben dem Fußball sollen insbesondere der kulturelle Austausch, internationale Begegnungen und die persönliche Entwicklung der Jugendlichen im Mittelpunkt stehen.

Bürgermeister Markus Hund wurde im Rahmen des Unternehmerforums eingeladen, die Mannschaft auf ihrer Reise zu begleiten. Durch mögliche Begegnungen mit offiziellen Vertretern vor Ort könnten sich langfristige Kontakte zwischen den Kommunen entwickeln.

Um möglichst allen Spielern unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten ihrer Familien die Teilnahme zu ermöglichen, sucht der Verein noch Unterstützung durch Unternehmen, Sachleistungen und Kontakte.

Auch über das Unternehmerforum hinaus soll der Austausch zwischen Wirtschaft und Vereinsleben fortgesetzt werden. Am Mittwoch, 4. November 2026, lädt der TuS Velen ab 18 Uhr unter dem Titel „Verein trifft Wirtschaft“ ins Waldstadion ein. Mit dabei ist der ehemalige Fußballprofi und UEFA-Cup-Sieger Ingo Anderbrügge. Im Anschluss besteht Gelegenheit zur weiteren Vernetzung.

Austausch und neue Impulse für die lokale Wirtschaft

Im Anschluss an den Vortrag griff Wirtschaftsförderin Natalie Jakubik in einer Gesprächsrunde mit den beiden Referenten zentrale Gedanken noch einmal auf und vertiefte die Frage, welche konkreten Möglichkeiten sich für Unternehmen aus den vorgestellten Ansätzen ergeben.

Auch der Stadtmarketingverein zweieins – Stadtmarketing Velen & Ramsdorf e. V. nutzte den Abend, um sich den anwesenden Unternehmerinnen und Unternehmern vorzustellen. Carsten Wendler gab einen Einblick in die Arbeit des eigenständigen Vereins und machte insbesondere auf die verschiedenen Arbeitskreise und die Möglichkeiten aufmerksam, sich aktiv an der Entwicklung von Velen und Ramsdorf zu beteiligen.

Bei einem gemeinsamen Imbiss und zahlreichen persönlichen Gesprächen klang das Unternehmerforum im Schloss Velen aus.

Für die Wirtschaftsförderung der Stadt Velen war die Veranstaltung erneut eine wertvolle Gelegenheit, den Dialog mit den örtlichen Unternehmen zu stärken und neue Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung vor Ort zu setzen.

Das Unternehmerforum 2026 machte dabei vor allem eines deutlich: Die Sicherung zukünftiger Fachkräfte beginnt nicht erst bei der Stellenausschreibung. Sie beginnt dort, wo junge Menschen frühzeitig Vertrauen erfahren, Verantwortung übernehmen und lernen, gemeinsam Herausforderungen zu meistern. Eine Entwicklung, zu der Unternehmen und Vereine gemeinsam einen wichtigen Beitrag leisten können.